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Märchen "Das Kind und die Tore"

Begonnen von myriel, 17.Juli.2019, 15:30:04

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myriel

Dieser Text befindet sich als Abschrift in der Halle der Stimmen Bibliothek (Anja, kannst du den reinstellen, ich musste ihn fotografieren, deins ist sicher die bessere Qualität).

Taraxa Schluckspecht

Ein Mann der Macht hatte ein Kind in seinem Turm gefangen. Das Kind hatte schreckliche Angst und versuchte zu entfliehen, doch wann immer es fortlief, fing der Mann der Macht es wieder ein und sperrte es zurück in den Turm. Das Kind wusste nicht ein noch aus, also kletterte es aus dem Fenster und floh schließlich durch eines der Tore in eine andere Welt, bevor jemand sehen konnte, wohin es geflohen war.

In der anderen Welt waren Trolle. Die Trolle sahen das Kind finster an; sie waren groß und zottelig und hatten mächtige Hauer. Das Kind erschrak, aber die Trolle brummten: ,,Du musst uns nicht fürchten, denn nicht wir sind es, die die Leute einsperren."

Das Kind beschloss, bei den Trollen zu bleiben, aber im Wald war es finster und kalt, und nach ein paar Nächten hatte das Kind Sehnsucht nach der Welt der Menschen.
,,Du musst warten, bis das Tor zu deiner Heimat geöffnet ist, dann kannst du nach Hause. Aber hüte dich vor dem Mann der Macht", brummten die Trolle.
Das Kind wartete am Tor zu seiner Heimat. Es wartete viele Tage, bis sich das Tor schließlich öffnete und es nach Hause konnte. Aber kaum war es hindurch geschritten, sah es schon von weitem den Mann der Macht. Der Mann der Macht sah das Kind auch und rannte auf es zu, um es wieder einzufangen. Da rannte das Kind, so schnell es konnte, fand ein anderes offenes Tor und floh durch es in eine andere Welt, bevor jemand sehen konnte, wohin es geflohen war.
In der anderen Welt waren Feen. Die Feen glänzten und glitzerten; sie waren schön, aber auch sehr fremdartig. Das Kind erschrak, aber die Feen sangen: ,,Du musst uns nicht fürchten, denn nicht wir sind es, die die Leute einsperren."

Das Kind beschloss, bei den Feen zu bleiben, denn ihre Welt war lustig und bunt. Aber alles war fremd und verwirrend dort, und nach ein paar Nächten hatte das Kind Sehnsucht nach der Welt der Menschen.

,,Du musst warten, bis das Tor zu deiner Heimat geöffnet ist, dann kannst du nach Hause. Aber hüte dich vor dem Mann der Macht", sangen die Feen.
Das Kind wartete am Tor zu seiner Heimat. Es wartete viele Tage, bis sich das Tor schließlich öffnete und es nach Hause konnte. Aber kaum war es hindurch geschritten, sah es schon von weitem den Mann der Macht. Der Mann der Macht sah sehr wütend aus, als er das Kind sah; er rannte auf es zu, um es wieder einzufangen. Da rannte das Kind, schneller als je zuvor, fand ein anderes offenes Tor und floh durch es in eine andere Welt, bevor jemand sehen konnte, wohin es geflohen war.
In der anderen Welt waren die Toten. Die Toten sahen zum Fürchten aus, und sie konnten nicht sprechen. Das Kind graute sich sehr. Aber da kamen eine Tote mit traurigen Augen auf es zu, und das Kind erkannte seine Großmutter.

Die Großmutter bedeutete dem Kind, ihr zu folgen. Das Kind fürchtete sich, war sich jedoch sicher, dass die Großmutter ihm kein Leid zufügen wollte, also folgte es. Gemeinsam gingen sie zu einem anderen Tor, weit entfernt in der Welt der Toten. Dort warteten sie gemeinsam viele Tage lang, bis sich auch dieses Tor schließlich öffnete. Durch das Tor war die Welt der Menschen zu sehen, Hügel, grüne Wiesen, Felder und ein Dorf. Die Großmutter zeigte darauf. Das Kind sah noch einmal durch das Tor. Es kannte das Dorf nicht. Der Turm des Mannes der Macht war nirgendwo zu sehen.
,,Willst du nicht mit mir kommen, Großmutter?", fragte das Kind.

Die Großmutter schüttelte stumm den Kopf und blickte das Kind freundlich an. Sie wies auf das Tor. Da nahm das Kind seinen Mut zusammen und schritt hindurch, zurück in die Welt der Menschen, aber endlich sicher vor dem Mann der Macht.